Naturphänomen: Gewaltiger Eiskreis im Presumpscot River vor Westbrook
Westbrook (USA) – Derzeit zeigt sich im Presumpscot River, der im US-Bundesstaat Maine durch die Stadt Westbrook fließt, eine selten große Variante eines ebenso beeindruckende wie dennoch gänzlich natürlichen Phänomens: Im teilweise zugefrorenen Fluss haben Strömungen eine gewaltige kreisrunde Eisscholle entstehen lassen, die sich nun langsam um die eigene Achse dreht.
Den Durchmesser des Eiskreises geben lokale Medien mit rund 100 Metern an. Damit ist der derzeit vor Westbrook rotierende Eiskreis tatsächlich ein selten großes Exemplar. Für gewöhnlich finden sich ähnliche rotierende kreisrunde Schollen in kleineren Buchten von Flüssen oder Bächen und galten lange Zeit selbst unter Meteorologen als Rätsel.
Während derartige Eiskreise denn auch immer wieder in die Nähe des Phänomens der Kornkreise gerückt wurden, weiß der Kornkreisforscher Andreas Müller aber zumindest für die meisten derartigen Eiskreise eine natürliche Erklärung zu benennen: „Wasserläufe erzeugen – wie auch aktuell auch schön am Beispiel Westbrook zu sehen – in Bach- oder Flussbiegungen durch Strömungsstrukturen und unterschiedliche Temperaturverhältnisse unter dem Eis Wirbel, die sich dann auch im Eis der Oberfläche als derartige Kreise abzeichnen können. Durch die Wirbelbewegung rotiert die so entstandene Scheibe und schleift die Ränder glatt und mehr und mehr ab. Es gibt sogar Fälle, an denen Kreise – ähnliche Umstände vorausgesetzt – immer wieder auftauchen (…GreWi berichtete).
Hintergrund
Der wohl älteste bekannte und dokumentierte Fall eines meteorologisch- bzw- hydrologisch erklärbaren Eiskreises stammt aus dem Jahre 1895 und fand sich im Eis einer kleinen, etwa 16 Meter breiten Bucht des Mianus River im US-Bundesstaat New York. Die im Volksmund als „Ten Foot Hole“ bezeichnete kreisrunde Scholle verweilte stationär, rotierte dabei jedoch sehr langsam etwa alle 60 Minuten einmal um die eigene Achse (s. Abb. l.).
Die Bedingungen zur Entstehung eines solches Eiskreises scheinen aber von sehr leicht variierbaren Faktoren Abhängig zu sein (Temperatur, sich durch Sedimente verändernder Untergrund und damit verändertes Strömungsverhalten usw.), weshalb Eiskreise nicht jeden Winter und an exakt den gleichen Stellen entstehen müssen.“
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„Allerdings“, so schränkt Müller auch ein, „gibt es auch Kreisphänomene im Eis, für die bislang noch keine geeignete Erklärung gefunden wurde, wenn sich Kreise beispielsweise in abgeschlossenen Wasserspeichern bildeten oder sogar komplexere Formen und gerade Linien auftraten. Da muss man dann unterscheiden.“
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Im aktuellen Fall berichten einige US-Medien, der Eiskreis werde von lokalen Meteorologen durch das Abbrechen einer gewöhnlichen Scholle erklärt, die sich dann erst später zur Kreisform geschliffen habe. Zumindest Müller zweifelt an dieser Variante. Die Diskussion bestätige aber, dass es auch angesichts des Naturphänomens Eiskreis noch offene Fragen gibt.
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