Anzeige
Anzeige
Anzeige

Simulation zeigt: Irdische Flechten gedeihen auf dem Mars

Die Kollage zeigt die Flechtenart Cetraria aculeata vor dem Hintergrund des Planeten Mars.Copyright: Flechte: Skubała et al. Design: Pensoft Publishers. CC-BY 4.0
Die Kollage zeigt die Flechtenart Cetraria aculeata vor dem Hintergrund des Planeten Mars.
Copyright: Flechte: Skubała et al. Design: Pensoft Publishers. CC-BY 4.0

Krakow (Polen) – Erstmals zeigt eine Studie, dass bestimmte Flechtenarten unter marsähnlichen Bedingungen, einschließlich der Einwirkung ionisierender Strahlung, überleben und gedeihen können. Die Ergebnisse stellen das bisherige Bild vom lebensfeindlichen Mars infrage.

Wie das Team um Kaja Skubała von der Jagiellonen-Universität aktuell im Fachjournal „IMA Fungus“ (DOI: 10.3897/imafungus.16.145477) berichtet, werde das Potenzial von Flechten deutlich, auf der Marsoberfläche zu überleben und zu funktionieren. Dies wiederum stellt bisherige Annahmen über die Lebensfeindlichkeit des Mars infrage und liefert wertvolle Erkenntnisse für die Astrobiologie und Raumfahrtforschung.

Die Bedeutung des Forschungsergebnisses ist umso größer, als Flechten keine einzelnen Organismen, sondern eine symbiotische Verbindung aus einem Pilz und Algen und/oder Cyanobakterien darstellen. Zwar war bereits bekannt, dass Flechten außergewöhnlich Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Umweltbedingungen sind, wie sie etwa in Wüsten und Polarregionen der Erde vorkommen, doch dass sie auch auf dem Mars gedeihen könnten, war bislang unbekannt.

In dieser Studie blieb der Pilzpartner der Flechtensymbiose metabolisch aktiv, als er marsähnlichen atmosphärischen Bedingungen in völliger Dunkelheit ausgesetzt wurde – einschließlich der für den Mars erwarteten Röntgenstrahlung über einen Zeitraum von einem Jahr mit starker Sonnenaktivität.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

In ihren Simulationen der extremen Mars-Bedingungen konzentrierten sich die Forschenden auf zwei Flechtenarten, Diploschistes muscorum und Cetraria aculeata. Diese wurden fünf Stunden lang den simulierten marsähnlichen Bedingungen ausgesetzt, darunter die Zusammensetzung der Atmosphäre, Druckverhältnisse, Temperaturschwankungen und Röntgenstrahlung.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Flechten, insbesondere D. muscorum, möglicherweise auf dem Mars überleben könnten – trotz der hohen Dosen an Röntgenstrahlung, die mit Sonneneruptionen und energiereichen Teilchen auf der Planetenoberfläche verbunden sind.

Damit widersprechen die Resultate der bisherigen Annahme, dass ionisierende Strahlung eine unüberwindbare Barriere für Leben auf dem Mars darstellt. Damit ebnen sie auch den Weg für weitere Forschungen zur potenziellen außerirdischen mikrobiellen und symbiotischen Lebensfähigkeit.

Versuchsaufbau der Vakuumkammer mit zusätzlicher Ausstattung, darunter ein Metallgitter mit Flechten, eine Kühlplatte, Sensoren für Temperatur, Druck und Luftfeuchtigkeit, eine Röntgenlampe mit Steuerung, ein CO₂-Ventil mit Zylinder sowie Steuergeräte für die Vakuumkammer, den Druck, die Kühlplatte und den Computer.Copyright/Quelle: Skubała et al., IMA Fungus (2025)
Versuchsaufbau der Vakuumkammer mit zusätzlicher Ausstattung, darunter ein Metallgitter mit Flechten, eine Kühlplatte, Sensoren für Temperatur, Druck und Luftfeuchtigkeit, eine Röntgenlampe mit Steuerung, ein CO₂-Ventil mit Zylinder sowie Steuergeräte für die Vakuumkammer, den Druck, die Kühlplatte und den Computer.
Copyright/Quelle: Skubała et al., IMA Fungus (2025)

„Unsere Studie ist die erste, die zeigt, dass der Stoffwechsel des Pilzpartners in der Flechtensymbiose aktiv blieb, während er sich in einer Umgebung befand, die der Marsoberfläche ähnelt. Wir stellten fest, dass Diploschistes muscorum in der Lage war, Stoffwechselprozesse durchzuführen und effektive Abwehrmechanismen zu aktivieren“, erläutert Skubała. „Diese Erkenntnisse erweitern unser Verständnis biologischer Prozesse unter simulierten Marsbedingungen und zeigen, wie hydratisierte Organismen auf ionisierende Strahlung reagieren – eine der größten Herausforderungen für das Überleben und die Bewohnbarkeit des Mars. Letztendlich vertieft diese Forschung unser Wissen über die Anpassungsfähigkeit von Flechten und ihr Potenzial zur Besiedlung extraterrestrischer Umgebungen.“

Weiterhin empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun langfristige Studien zur Auswirkung chronischer Strahlenbelastung auf Flechten, ebenso wie Experimente, die ihre Überlebensfähigkeit in realen Marsumgebungen untersuchen.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
NASA-Rover Curiosity entdeckt bislang größte organische Molekülketten auf dem Mars 24. März 2025
Neue Detektionsmethode für Leben in Proben vom Mars 7. März 2025

Recherchequelle: Pensoft Publishers

© grenzwissneschaft-aktuell.de

Anzeige
Artikeln teilen
Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist
Unterstützen Sie die tagliche journalistische Arbeit an GreWi

Wenn Sie GreWi unterstützen möchten, so können Sie dies am besten mit einem freiwiliigen GreWi-Unterstützer-Abo tun – und erhalten dafür auch noch themenbezogenen Gegenleistungen und nehmen an allen unseren Buch- und Filmverlosungen teil.

Bücher von GreWi-Hrsg. Andreas Müller

Andreas Müller

Fachjournalist Anomalistik • Sachbuchautor • Publizist

Mehr auf Wikipedia

Deutschlands UFO-Akten: Über den politischen Umgang mit dem UFO-Phänomen in Deutschland …

Kornkreise. Geometrie, Phänomene, Forschung

Phänomen Kornkreise: Forschung zwischen Volksüberlieferung, Grenz- und Naturwissenschaft

Deutschlands historische UFO-Akten: Schilderungen unidentifizierter Flugobjekte und Phänomene in…

Hol Dir Deine
GreWi-App!
app-store play.google.com
..zeig, dass Du
ein GreWi bist!
Shop