US-Geheimdienste veröffentlichen neuen UFO-Bericht

Copyright/Quellen: ODNI, US Gov. / grewi.de (Kollage)
Washington (USA) – Mit mehr als zwei Monaten Verspätung wurde soeben der neue Bericht des der US-Geheimdienste und der neuen UFO/UAP-Untersuchungsbehörde „AARO“ zum Stand der Untersuchungen von unidentifizierten Flugobjekten und Phänomenen im Luftraum (UFOs/UAP) veröffentlicht. Erneut besteht der Bericht aus zwei Teilen: Einen öffentlichen und einen geheimen Teil. Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) fasst die bekannten Inhalte zusammen.
Hintergrund
Bei dem heute veröffentlichten Bericht handelt es sich (so auch schon der Titel) um den (ersten) „Jahresbericht zu Unidentifizierten Phänomenen im Luftraum“ (2022 Annual Report on Unidentified Aerial Phenomena). Es handelt sich bereits um den zweiten Bericht über die Untersuchungen unidentifizierter Flugobjekte und Phänomene im Luftraum (unidentified flying objects = UFOs, unidentified aerial phenomena = UAP) durch die UAP-Untersuchungsbehörde des US-Verteidigungsministeriums, die mittlerweile unter der Bezeichnung „All-domain Anomaly Resolution Office (AARO) arbeitet und die Untersuchungen der „Unidentified Aerial Phenomena Task Force“ (UAPTF), und deren Nachfolgergrupoe, der buchstäblich unaussprechlichen „Airborne Object Identification and Management Group“ (AOIMSG) mit erweiterten Aufgaben fortsetzt (…GreWi berichtete).
Lesen Sie hier die Hintergründe zum ersten UFO-Bericht des Pentagons vom 26. Juni 2021
GreWi-EXKLUSIV: US-Geheimdienste präsentieren Vorab-Bericht über UFOs und UAPs 26. Juni 2021
GreWi-Kommentar zum UFO-Bericht der US-Geheimdienste: Ein wirklich wichtiger erster Schritt! 26. Juni 2021
Erste Details zum „geheimen Anhang“ des UFO-Reports der US-Geheimdienste 28. Juni 2021
Geheimer Teil des UFO-Berichts des Pentagons umfasst nur 17 Seiten 17. Juli 2021
Veröffentlicht wurde der aktuelle Bericht, ebenso wie schon der erste Report, vom Büro der Direktorin der Nationalen Geheimdienste der USA (Office oft he Director of National Intelligence, ODNI) unter anderem auch über die offizielle Internetseite des ODNI am 12. Januar 2023.
Der erste Bericht mit dem Titel „Vorläufige Bewertung: Unidentifizierte Flugphänomene“ (Preliminary Assesment: Unidentified Aerial Phenomena) wurde am 26. Juni 2021 veröffentlicht. Die ausführliche GreWi-Meldung inklusiver einer deutschsprachigen Übersetzung des Originals finden Sie HIER
Wie schon zuvor, so ist auch der neue Bericht in einen öffentlichen, unklassifizierten und einen klassifizierten Teil unterteilt, der nur Mitgliedern der zuständigen Kongresskomitees zugänglich ist.
Wie zu erwarten war, gehen aus dem nun vorgelegten öffentlichen Teil keine wirklichen Detailinformationen über die Arbeit der AARO, die konkreten Methoden, Partner, untersuchte Fälle oder gar deren Ergebnisse hervor.
Tatsächlich erläutert der aktuelle Bericht hauptsächlich formelle und größtenteils bekannte administrative Hintergrundinformationen darüber, wie es zur Gründung der AARO kam, deren formelle Strukturen und Ziele.
Einmal mehr finden sich in dem Bericht nur wenige Aussagen über die untersuchten Phänomene und den aus den Untersuchungen hervorgegangenen Ergebnissen. Tatsächlich muss man nach diesen Informationen geradezu akribisch zwischen den Zeilen suchen.
Macht man sich diese Mühe, findet man auch im aktuell neuen UAP-Report folgendes:
– Zusätzlich zu den bereits im ersten UAP-Bericht (veröffentlicht am 26. Juni 2021) ausgewiesenen 144 UAP-Berichten, aus den vergangenen 17 Jahren (die noch im ersten Bericht berücksichtigen Meldungen endeten mit dem 5. March 2021) kamen seither 247 neue Berichte und weitere 119 Berichte hinzu, die entweder erst seither entdeckt und berichtet oder erst nach der Zusammenstellung des ersten Berichts (5. März 2021) gemeldet wurden. Auf diese Weise liegen der AARO nun also insgesamt 510 UAP-Berichte bis zum 30. August 2022 vor.
– Weitere Informationen über diese Fallberichte finden sich allerdings nur im klassifizierten Teil des Reports.
– Das AARO und das ODNI führen die deutliche Zunahme an UAP-Meldungen innerhalb vergleichsweise kurzen Zeitraums zum einen auf ein verbessertes Verständnis möglicher Bedrohungen zurück, die von UAP für die Luftfahrt als auch im Sinne potenzieller feindlicher Spionageplattformen ausgehen könnten. Teilweise aber auch durch die Abmilderung des Stigmas, das Jahrzehnte mit Meldungen von UFO-Sichtungen gerade für Militär- und Geheimdienstangehörige verbunden war.
– UAP-Ereignisse finden weiterhin statt. Die dem AARO bekannten Fälle konzentrieren sich weiterhin auf militärische Sperrzonen und militärisch sensible Regionen und Einrichtungen. Allerdings sei dieser Umstand vermutlich darauf zurückzuführen, dass es sich bei den Meldungen hauptsächlich auch um Meldungen aus dem militärischen Bereich handelt, in dem es eben auch ein vermehrtes Aufkommen von Flugzeugen, entsprechend geschulten Beobachtern (Piloten, Radaroperateuren usw.) und Sensoren existieren (collection bias).
– Der neue Bericht unterstreicht, dass „verschiedene Faktoren die Beobachtung oder Detektion von UAP beeinträchtigen können. Zu diesen Faktoren gehören Wetter, Lichtverhältnisse, atmosphärische Effekte oder auch die akkurate Interpretation von Sensordaten. Bezüglich der Auswertung und Analyse von UAP-Ereignissen, geht die AARO und das ODNI grundsätzlich davon aus, dass sich die Zeugen korrekt an die Ereignisse erinnern und die Sensoren korrekt arbeiten und ausreichend echte Daten über ein Ereignis liefern, um eine erste Einschätzung und Zuordnung zu erlauben. Dennoch erkennt man auch an, dass eine begrenzte Anzahl von UAP-Vorfällen auch auf Sensor-Probleme oder Fehler bei den Operateuren oder der Ausrüstung zurückgeführt werden können.
– Die Mehrheit der neuen UAP-Berichte stammt demnach von Personal der U.S. Navy und der U.S. Air Force. Meist von Piloten und Operateuren, die selbst UAP während ihrer Einsätze gesichtet und diese Sichtungen über offizielle Kanäle und die UAPTF oder das AARO gemeldet hatten. Unabhängig von der Meldeart fehle es vielen dieser Berichte jedoch an ausreichenden Details, um diese einordnen zu können.

Copyright/Quelle: US Gov./ODNI
– Von den 366 hinzugekommenen UAP-Berichten, die das AARO untersucht hat, weisen mehr als die Hälfte „unbedeutende Eigenschaften“ (unremarkable characteristics) auf und konnten entsprechend in drei identifizierbare Kategorie unterteilt werden:
1) In 26 Fällen handelte es sich um Drohnen, die im militärischen Sprachgebrauch auch bzw. als „Unmanned Aircraft System“ (UAS), also als unbemannte Flugzeugsysteme bezeichnet werden, oder um UAS-artige Einheiten.
2) 163 Ereignisse konnten als Ballons oder Ballon-artige Einheiten erkannt werden.
3) 6 der untersuchten Fälle stellten sich als Störungen im Luftraum (clutter), also als Vögel, Weltereignisse, Müll oder Plastiktüten usw. heraus.
– Was bleibt, sind entsprechend 171 Fälle, die bislang noch nicht positiv erklärt und aufgeklärt werden konnten.
– Zu dieser Gruppe heißt es im Bericht: „Einige dieser uncharakterisierten UAP scheinen ungewöhnliche Flugeigenschaften aufzuweisen oder zu ungewöhnlichen Manövern in der Lage gewesen zu sein. In diesen Fällen bedarf es weiterer Analysen.”
– Weiterhin, so heißt es im aktuellen UAP-Bericht, arbeite das AARO und das ODNI mit anderen US-Behörden (etwa der Flugaufsicht FAA und der Raumfahrtbehörde NASA) sowie mit der Kongressaufsicht, der Öffentlichkeit aber auch mit „internationalen Partnern“ zusammen. Unter anderen mit Letzteren stehe man auch im ständigen Austausch und informiere diese über Ergebnisse.
Anmerkung GreWi: Wer genau diese „internationalen Partner und Alliierte“ sind, ist hingegen weiterhin ebenso unbekannt wie der Inhalt des klassifizierten Teils des aktuellen Berichts. Zumindest offiziell sind bundesdeutsche Stellen, Ministerien oder das Militär (Luftwaffe) nicht an den Untersuchungen beteiligt und wurden auch nicht über die Ergebnisse unterrichtet (…GreWi berichtete 1, 2).
– Obwohl laut Report UAP eine Bedrohung für die Luftfahrt darstellen, habe es bislang noch keine gemeldeten Kollisionen zwischen einem US-Flugzeug und einem UAP gegeben. Darüber hinaus sind laut dem Report bislang keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Effekte bekannt, die eindeutig auf eine UAP-Begegnung zurückgeführt werden konnten. Dennoch werde die AARO alle gemeldeten gesundheitlichen Auswirkungen in Verbindung mit UAP untersuchen, sollten diese eingehen.
Was bleibt also?
Einmal mehr bleibt der vermutlich eigentlich interessante und aussagekräftige Teil des Reports weiterhin klassifiziert, also geheim und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Bis heute ist auch der geheime Teil des ersten Berichts weiterhin nur den Mitgliedern der zuständigen Kongressausschüsse und vermutlich der beteiligten Ministerien, Behörden und direkten Regierungsvertretern bekannt.
Zum Thema
Gerade UFO-Interessierte hatten sich zuvor einiges und wesentlich mehr von dem neuen Bericht erhofft. Besonders, weil erst vor wenigen Wochen (am 19. Dezember 2022) mit dem US-Verteidigungshaushalt für 2023 viel weitreichendere neue Vorgaben für die Untersuchungen von UAP durch die AARO ratifiziert wurden. Gefordert werden darin eine Analyse historischer US-UFO-Akten und -Projekte bis ins Jahr 1945 zurück und einen Whistleblowerschutz für eigentlich zur Verschwiegenheit verpflichtete Regierungs- und Militärmitarbeiter, die an geheimen UFO-Projekten beteiligt waren (…GreWi berichtete).
Tatsächlich darf man gespannt sein, was gerade diese neuen „UFO-Gesetze“ an neuen Informationen mit sich bringen, die dann im besten Fall vielleicht sogar öffentlich gemacht werden sollen, da im NDAA für das Jahr 2023 auch die Transparenz der UAP-Untersucher der AARO großgeschrieben werden soll.
Dass der aktuelle UAP-Report des ODNI und des AARO dennoch nur bedingt Neues liefert, ist aber vor allem dem Umstand geschuldet, dass (auch dies wird im Report ausführlich dargelegt), sich dieser Bericht auf einen Zeitraum und entsprechende Vorgaben bezieht, die noch im vorjährigen „NDAA FY 2022“ geregelt wurden. Der neue Bericht konnte die neuen „UFO-Gesetze“ des „NDAA FY 2023“ also noch gar nicht berücksichtigen, weil er eigentlich schon am 31. Oktober 2022 veröffentlicht werden sollte und sich im Sinne eines „Annual Reports“ also auf das vergangene Jahr bezieht.
Wirklich spannend dürfte also der nächste Jahresbericht des ODNI und des AARO werden, sollte dieser (wovon auszugehen ist) die im NDAA’23 gestellten Gesetzesvorgaben erfüllen.
Abschließend ebenfalls wichtig ist der Umstand, dass die UFO-Untersucher des Pentagons und der US-Geheimdienste auch nach ihren mittlerweile doch intensiven und behördenübergreifenden Untersuchungen und Analysen der ihnen vorliegenden UAP-Sichtungen weiterhin die Realität des UFO-Phänomens grundsätzlich anerkennen und nicht diese selbst in Abrede stellen. Eine Realität, die sogar so weit geht, dass man die Existenz dieser Phänomene nicht nur anerkennt, sondern in diesen sogar eine potenzielle Bedrohung für die Luftfahrt und nationale Sicherheit sieht und entsprechend handelt.
Tatsächlich war dies nicht immer so: Als die U.S. Air Force (nach den Vorgängerprojekten „Sign“ 1947 und „Grudge“ 1949-51) von 1951 bis 1969 im Rahmen ihres UFO-Untersuchungsprojekts „Blue Book“ mehr als 12.000 Sichtungsfälle untersucht hatte, wurde dieses mit dem Bericht des „Condon-Committee“ 1969 ersatzlos beendet. Als Grund nannte das Komitee damals die „Irrelevanz der UFO-Sichtungen für Wissenschaft und Forschung und die Überflüssigkeit weiterer Untersuchungen“.
Über diesen Punkt scheint man heute beim AARO, den US-Geheimdiensten und der Regierung glücklicherweise hinaus…
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