Warum der Mars tatsächlich rot sein könnte

Copyright: ESA & MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/RSSD/INTA/UPM/DASP/IDA, CC BY-SA IGO 3.0
Bern (Schweiz) – Es gilt als Schulweisheit: Der Mars ist rot, weil er buchstäblich rostet. Doch so einfach ist es nicht. Ein Team aus Schweizer und US-Forschern hat möglicherweise das tatsächliche Geheimnis hinter der Färbung des Roten Planeten gelüftet. Damit könnte sich nicht nur die Farbe des Planeten neu erklären, sondern auch weitere Belege für eine feuchtere, potenziell lebensfreundliche Vergangenheit des Mars erbacht werden.
Wie das Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter der Leitung von Dr. Adomas Valantinas von der Universität Bern und der Brown University aktuell im Fachjournal „Nature Communications“ (DOI: : 10.1038/s41467-025-56970-z) berichtet, ist es ihnen gelungen das wasserreiche Eisenmineral Ferrihydrit als Hauptursache des charakteristischen, rötlichen Marsstaubs zu identifizieren.
Während die bisherige Annahme, in Hämatit, also einem trockenen, rostähnlichen Mineral, den Grund für die Farbe des Mars vermutete, scheint die Hauptursache für die rötliche Färbung vielmehr das wasserreiche Eisenmineral Ferrihydrit zu sein.
Für die aktuelle Studie haben die Forschenden Beobachtungsdaten von Raumsonden und von Mars-Rovern mit neuartigen Labormethoden kombiniert: „Wir sind nicht die ersten, die Ferrihydrit als Grund für die rote Farbe des Mars in Betracht ziehen, aber es wurde noch nie so bewiesen, wie wir es jetzt getan haben, nämlich indem wir Beobachtungsdaten und neuartige Labormethoden zur Herstellung eines Marsstaub-Analogons im Labor verwendet haben.“
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Hierzu nutzten die Forschenden Daten von mehreren Marssonden, darunter der NASA-Sonde „Mars Reconnaissance Orbiter“, „Mars Express“ und „ExoMars“ der Europäischen Weltraumagentur ESA. An Bord der ExoMars-Sonde befindet sich unter anderem das „Color and Stereo Surface Imaging System“ (CaSSIS), ein Kamerasystem, mit dem nun die ersten Hinweise auf Ferrihydrit gelangen. Weitere Untersuchungen mit höher aufgelösten Daten bestätigten dann den ersten CaSSIS-Fund.
Die Daten aus der Marsumlaufbahn wurden mit Messungen der Marsrover der NASA wie Pathfinder, Curiosity und Opportunity sowie mit Laboranalysen von synthetischen, marsähnlichen Materialien kombiniert. Auch diese Ergebnisse stützt demnach die Theorie, dass Ferrihydrit für die rötliche Farbe des Mars verantwortlich ist.
Experimente und Messungen an der Universität Grenoble, der Brown University und der University of Winnipeg zeigten zudem allesamt, dass Ferrihydrit im Marsstaub und wahrscheinlich auch in den Gesteinsschichten weit verbreitet ist.
Laut den Forschenden hat die Entdeckung von Ferrihydrit als Hauptbestandteil des Marsstaubs weitreichende Auswirkungen für das Verständnis der Marsgeschichte und die Frage, ob es jemals Leben auf dem Mars gab: „Im Gegensatz zu Hämatit, das sich unter warmen oder trockenen Bedingungen bildet, entsteht Ferrihydrit in der Gegenwart von kühlem Wasser“, so Valantinas und führt dazu weiter aus: „Dies deutet darauf hin, dass der Mars einst eine Umgebung hatte, in der flüssiges Wasser vorhanden war, was eine wesentliche Voraussetzung für Leben ist. (…) Unsere Studie zeigt, dass für die Bildung von Ferrihydrit auf dem Mars sowohl Sauerstoff – sei es aus der Atmosphäre oder aus anderen Quellen – als auch Wasser, das mit Eisen reagieren kann, vorhanden sein mussten. Diese Bedingungen waren ganz anders als die trockene, kalte Umgebung des heutigen Mars.“
Doch so aufregend die neuen Erkenntnisse zunächst auch sind, braucht es für eine finale Bestätigung direkte Proben vom Mars, wie sie derzeit vom Perseverance-Rover der NASA gesammelt werden, und so die aktuellen Ergebnisse verifiziert könnten.
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Recherchequelle: Universität Bern
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